Warschau
Warschau (polnisch Warszawa) ist die Hauptstadt Polens und liegt beiderseits der Weichsel. Die Stadt verbindet eine sorgfältig rekonstruierte historische Mitte mit sozialistischer Monumentalarchitektur, modernen Hochhäusern, weitläufigen Parks und zahlreichen Museen. Ihre Geschichte ist geprägt von Aufstieg zur königlichen Residenz, Teilungen Polens, Besatzung und nahezu vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sowie einem außergewöhnlichen Wiederaufbau.
Geschichte
Warschau entstand im Mittelalter als kleinere Siedlung an der Weichsel und gewann seit dem 14. Jahrhundert an Bedeutung. Einen entscheidenden Entwicklungsschub erhielt die Stadt, als König Sigismund III. Wasa Ende des 16. Jahrhunderts seine Residenz von Krakau nach Warschau verlegte. Damit wurde Warschau zum politischen Mittelpunkt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und entwickelte sich zu einer bedeutenden Residenz- und Handelsstadt.
Nach den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts geriet Warschau zunächst unter preußische, später unter russische Herrschaft. Im 19. Jahrhundert war die Stadt mehrfach Zentrum polnischer Aufstandsbewegungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Warschau 1918 wieder Hauptstadt des unabhängigen polnischen Staates.
Der Zweite Weltkrieg brachte eine nahezu vollständige Zerstörung. Nach dem deutschen Überfall auf Polen entstand in Warschau eines der größten jüdischen Ghettos Europas. Der Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und der Warschauer Aufstand 1944 gehören zu den zentralen Erinnerungsorten der Stadtgeschichte. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde ein großer Teil der Stadt planmäßig zerstört. Nach 1945 rekonstruierte Polen insbesondere die Altstadt und das Königsschloss in außerordentlichem Umfang. Die wiederaufgebaute Altstadt gehört heute zum UNESCO-Welterbe.
Sehenswürdigkeiten
Im Zentrum der Altstadt liegt der Rynek Starego Miasta mit seinen farbigen Bürgerhäusern und der Warschauer Seejungfrau. Über enge Gassen gelangt man zum Schlossplatz mit der Sigismundsäule und dem rekonstruierten Königsschloss. Die Stadtmauer und die Barbakane markieren den Übergang zur Neustadt.
Der Königsweg führt vom Schlossplatz über Krakowskie Przedmieście und Nowy Świat nach Süden. Entlang der Strecke liegen unter anderem der Präsidentenpalast, die Universität, mehrere Kirchen und historische Palais. Weiter südlich schließen der Łazienki-Park mit dem Palast auf dem Wasser sowie der barocke Wilanów-Palast an.
Zu den wichtigsten Museen gehören das Museum des Warschauer Aufstands, das POLIN-Museum der Geschichte der polnischen Juden, das Nationalmuseum und das Chopin-Museum. Der Kultur- und Wissenschaftspalast aus den 1950er Jahren prägt bis heute die Skyline; inzwischen wird er von zahlreichen modernen Hochhäusern umgeben. Das revitalisierte Weichselufer mit Promenaden und Freizeitflächen zeigt die moderne Seite der Stadt.
Besuch
Für Altstadt, Königsschloss und Königsweg sollten mindestens zwei Tage eingeplant werden. Wer die großen Museen, Łazienki, Wilanów und moderne Stadtviertel intensiver besuchen möchte, sollte drei bis vier Tage vorsehen. Metro, Straßenbahn und Bus ermöglichen eine gute Erschließung der weitläufigen Stadt.

