Tamsui
Tamsui liegt an der Mündung des Tamsui-Flusses im Norden Taiwans und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel von Taipeh. Der Ort verbindet eine lange Hafen- und Handelsgeschichte mit kolonialen Bauwerken, lebhaften Marktgassen und einer breiten Uferpromenade. Besonders am späten Nachmittag zieht es viele Besucher an den Fluss, wenn die Sonne hinter den Bergen und der Taiwanstraße untergeht.
Geschichte
Die günstige Lage an der Flussmündung machte Tamsui früh zu einem wichtigen Zugang zum Norden Taiwans. Im 17. Jahrhundert errichteten zunächst die Spanier eine Befestigung, die später von den Niederländern übernommen und ausgebaut wurde. Aus dieser wechselvollen Epoche ging das heutige Fort San Domingo hervor. Nach der Eingliederung Taiwans in das chinesische Kaiserreich entwickelte sich der Ort weiter zu einem regionalen Handelsplatz.
Im 19. Jahrhundert wurde Tamsui nach der Öffnung taiwanischer Häfen für den internationalen Handel zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Tee, Kampfer und andere Exportgüter. Britische Kaufleute, Konsuln und Missionare ließen sich hier nieder und hinterließen Gebäude, Schulen und Kirchen. Der kanadische Missionar George Leslie Mackay prägte die Stadt durch seine medizinische und pädagogische Arbeit. Mit der Versandung des Flusses und dem Ausbau anderer Häfen verlor Tamsui später an wirtschaftlicher Bedeutung. Während der japanischen Kolonialzeit wurde der Ort modernisiert und durch die Eisenbahn enger an Taipeh angebunden. Heute bewahrt Tamsui zahlreiche Spuren dieser unterschiedlichen Epochen.
Sehenswürdigkeiten
Das bekannteste historische Bauwerk ist Fort San Domingo, dessen rote Mauern oberhalb des Flusses liegen. Zum Ensemble gehören auch die frühere britische Konsulatsresidenz und ein Garten mit weitem Blick über die Flussmündung. In der Nähe befinden sich das ehemalige Zollhaus, das Little White House und mehrere Gebäude, die mit dem Wirken George Leslie Mackays verbunden sind, darunter die Oxford College-Anlage und die Tamsui Presbyterian Church.
Das lebendige Zentrum bildet die Tamsui Old Street mit kleinen Geschäften, Garküchen und regionalen Spezialitäten. Bekannt sind unter anderem A-gei, mit Glasnudeln gefüllte Tofutaschen, Fischbällchen und hohe Softeisportionen. Die Uferpromenade führt vorbei an Anlegern, Cafés und kleinen Parks. Von hier verkehren Fähren nach Bali auf der gegenüberliegenden Flussseite und zum Fisherman’s Wharf. Dort überspannt die geschwungene Lover’s Bridge das Hafenbecken und bietet besonders zum Sonnenuntergang ein beliebtes Fotomotiv.
Etwas ruhiger ist ein Spaziergang durch die älteren Wohnviertel oberhalb der Uferzone. Hier liegen historische Häuser, schmale Gassen und Aussichtspunkte, von denen sich die Entwicklung Tamsuis vom Handelshafen zum Freizeitort gut nachvollziehen lässt.
Besuch
Tamsui ist mit der roten MRT-Linie direkt von Taipeh erreichbar. Für Altstadt, Uferpromenade und Fort San Domingo sollte mindestens ein halber Tag eingeplant werden. Wer zusätzlich Fisherman’s Wharf, Bali oder mehrere historische Gebäude besuchen möchte, kann einen ganzen Tag vorsehen. Besonders stimmungsvoll ist die Zeit vom späten Nachmittag bis zum Abend.




































