Naramachi – Nara
Naramachi ist das historische Stadtviertel südlich des modernen Zentrums von Nara. Schmale Straßen, traditionelle Machiya-Häuser, kleine Tempel, Werkstätten und Cafés vermitteln einen deutlich anderen Eindruck als die monumentalen Tempelanlagen im Nara-Park.
Geschichte
Das Viertel entwickelte sich auf dem Gelände des früheren Gangō-ji und wurde besonders in der Edo-Zeit von Kaufleuten und Handwerkern geprägt. Viele traditionelle Stadthäuser besitzen schmale Straßenfronten und langgestreckte Grundstücke.
Sehenswürdigkeiten
Zu den interessanten Zielen gehören erhaltene Machiya, kleine Museen, lokale Handwerksbetriebe sowie Gangō-ji. Gerade abseits der Hauptstraßen zeigt Naramachi eine ruhige, kleinteilige Seite der ehemaligen Kaiserstadt.
Gangō-ji: vom Tempelbezirk zum Stadtviertel
Der Gangō-ji führt seine Geschichte auf den Asuka-dera beziehungsweise Hōkō-ji zurück, dessen Gründung mit Soga no Umako und der frühen Förderung des Buddhismus verbunden ist. 718 entstand der Tempel in der neuen Hauptstadt Heijō-kyō. Der Bezug zur Soga-Familie gehört damit zur Vorgeschichte des Tempels. Mit seiner Übertragung nach Nara entwickelte er sich zu einem staatlich getragenen Heiligtum. Gangō-ji: Gründung und Verlegung; Gangō-ji: vom Familientempel zum staatlichen Tempel.
Als die ausgedehnte Tempelanlage im Laufe der Jahrhunderte schrumpfte, entstanden auf Teilen ihres früheren Geländes Wohnhäuser und Gewerbebauten. Das heutige Nebeneinander von Tempelresten, Gassen und Stadthäusern ist das Ergebnis dieses langen Wandels. Naras offizieller Reiseführer zur Entwicklung Naramachis.
Kaufmanns- und Handwerkerhaushalte der Edo-Zeit
In der Edo-Zeit war Naramachi ein wirtschaftliches Zentrum Naras. Läden und Werkstätten stellten unter anderem Tusche, Schreibpinsel, Leinenstoffe und Moskitonetze her oder handelten damit. Die Haushalte der Kaufleute und Handwerker prägten den Stadtteil durch die Verbindung von Erwerbsarbeit und Wohnen. Ihre Geschichte lässt sich besonders gut an den erhaltenen Häusern und Gewerbetraditionen ablesen. Eine gemeinsame Abstammung dieser Familien von einem bestimmten Adelsclan ist damit nicht belegt. Nara Prefecture: Handwerk und Handel in Naramachi.
Machiya: wie Wohnen und Arbeiten zusammenfanden
Die langgestreckten Machiya ordnen verschiedene Lebensbereiche hintereinander an: Zur Straße liegt der Geschäftsraum, Mise-no-ma, dahinter folgen weitere Zimmer und der rückwärtige Empfangsraum, Oku-no-ma. Ein erdgeschossiger Gang mit ungedieltem Boden, Tōri-niwa, verbindet die Straßenfront mit den hinteren Bereichen und kann zugleich Arbeits- und Küchenzone sein.
Innenhöfe bringen Licht und Luft in die tiefen Grundstücke. Hölzerne Gitter an der Fassade ermöglichen den Blick nach draußen und schützen zugleich die Privatsphäre. Tiefe Traufen fassen die Straßenräume zusammen und halten Regen von den Häusern fern. Ein niedriges Obergeschoss, Tsushi, diente häufig als Lager. Diese Details zeigen, wie genau die Bauweise auf Alltag und Gewerbe zugeschnitten war. Architekturführer zu den Machiya von Nara (PDF).
Besuch
Für einen Spaziergang sollte man etwa ein bis zwei Stunden einplanen. Naramachi lässt sich gut mit Kōfuku-ji und dem südlichen Bereich der Innenstadt verbinden.



