Japan – Gagaku

Gagaku – die Musik des Kaiserhofs

Gagaku bedeutet etwa „elegante Musik“ und bezeichnet die über Jahrhunderte am japanischen Kaiserhof gepflegte Musik- und Tanztradition. Ihre Wurzeln liegen in Japan ebenso wie in Musikformen, die über Korea und China auf den Archipel gelangten. In ihrer heutigen Form ist Gagaku eines der ältesten kontinuierlich gepflegten höfischen Musiksysteme der Welt.

Höfische Tradition

Im 8. und 9. Jahrhundert wurden unterschiedliche Musiktraditionen am Hof systematisiert. In der Heian-Zeit entwickelte sich daraus das klassische Repertoire, das bei Zeremonien, Banketten und religiösen Anlässen gespielt wurde.

Klangbild

Langsame Tempi, schwebende Akkorde der Mundorgel shō, der intensive Klang der hichiriki und weit gespannte Flötenmelodien prägen den unverwechselbaren Charakter.

Bis heute lebendig

Gagaku wird weiterhin vom kaiserlichen Hof gepflegt und außerdem von professionellen und akademischen Ensembles aufgeführt. Seit 2009 gehört Gagaku zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Die wichtigsten Repertoiregruppen

Gagaku ist vielfältiger als reine Instrumentalmusik. Zum Repertoire gehören Instrumentalstücke, Tänze und Gesangsformen.

  • Tōgaku – Repertoire mit Wurzeln in der chinesischen Tang-Kultur; heute der umfangreichste instrumentale Bereich.
  • Komagaku – Musik mit historischen Wurzeln auf der koreanischen Halbinsel, häufig in Verbindung mit Tanz.
  • Kuniburi no utamai – ältere japanische Gesangs- und Tanztraditionen, darunter höfisch überlieferte Formen mit shintōistischem Bezug.
  • Saibara und Rōei – vokale höfische Gattungen, die zeigen, dass Gagaku keineswegs ausschließlich instrumental ist.

Instrumente

Blasinstrumente

  • Shō – Mundorgel aus Bambuspfeifen; erzeugt die charakteristischen schwebenden Akkorde.
  • Hichiriki – kleine Doppelrohrblattflöte mit sehr tragendem Klang.
  • Ryūteki – Querflöte des Tōgaku.
  • Komabue – etwas kleinere Flöte im Komagaku.

Saiten & Schlagwerk

  • Gakubiwa – viersaitige Laute.
  • Gakusō – höfische Form der Koto.
  • Kakko, Taiko und Shōko – Trommeln und Gong, die den zeitlichen Ablauf gliedern.

Warum klingt Gagaku so ungewöhnlich?

Die Instrumente spielen nicht einfach eine gemeinsame Melodie im westlichen Sinn. Die hichiriki trägt häufig die melodische Linie, die Flöte umspielt sie, während die shō Akkordflächen legt. Das Schlagwerk markiert große Zeiträume statt eines schnellen, gleichmäßigen Taktes. Dadurch entsteht der feierliche, beinahe schwebende Klang.

Bugaku – Gagaku als Tanz

Wird die Musik mit höfischem Tanz verbunden, spricht man von Bugaku. Traditionell unterscheidet man Tänze der linken Seite (samai) und der rechten Seite (umai). Kostümfarben, Bewegungen und Instrumentierung folgen festen Regeln. Die aufwendig gearbeiteten Gewänder und Masken machen Bugaku zu einer der eindrucksvollsten höfischen Bühnenformen Japans.

Gagaku heute erleben

Öffentliche Aufführungen finden unter anderem in Tokyo, Kyoto und Nara statt, außerdem bei ausgewählten Schrein- und Tempelfesten. Besonders authentisch wirkt Gagaku in historischen Anlagen, weil Musik, Kostüme, Architektur und Zeremonie dort als Gesamterlebnis zusammenkommen.