Japan – Geschichte Jomon
Jōmon-Zeit – Japans lange Vorgeschichte
Die Jōmon-Zeit umfasst viele Jahrtausende und gehört zu den faszinierendsten Abschnitten der japanischen Vorgeschichte. Ihre Gemeinschaften lebten zunächst überwiegend von Jagd, Fischfang und Sammelwirtschaft, entwickelten jedoch in vielen Regionen erstaunlich dauerhafte Siedlungen. Namensgebend ist die charakteristische Keramik mit Schnurmustern – jōmon bedeutet „Schnurabdruck“.
Zeitraum
ca. 14.000 bis 900 v. Chr., regional mit fließenden Übergängen.
Kennzeichen
Schnurkeramik, Grubenhäuser, Fischfang, Jagd und zunehmend dauerhafte Siedlungen.
Bedeutung
Eine eigenständige Kultur mit komplexen Ritualen, Fernkontakten und ausgeprägter materieller Kultur.
Schlüsseldaten
- ab ca. 14.000 v. Chr.: frühe Keramiktraditionen auf dem japanischen Archipel.
- ca. 5000–2500 v. Chr.: Blüte größerer Siedlungen in klimatisch günstigen Regionen.
- ab ca. 1000 v. Chr.: zunehmende regionale Veränderungen und Kontakte zum Kontinent.
- ab ca. 900 v. Chr.: im Westen schrittweiser Übergang zu frühen Yayoi-Kulturen.
Leben in den Jōmon-Siedlungen
Viele Menschen lebten in halb in den Boden eingetieften Grubenhäusern. Küstengebiete boten Fisch, Muscheln und Meeressäuger, im Landesinneren spielten Wild, Nüsse, Kastanien und andere Pflanzen eine große Rolle. Archäologische Fundplätze zeigen, dass manche Siedlungen über lange Zeit bestanden und soziale wie rituelle Zentren bildeten.
Ein besonders bedeutender Fundort ist Sannai-Maruyama in der heutigen Präfektur Aomori. Dort wurden zahlreiche Gebäudegrundrisse, Vorratsgruben, Gräber und große Pfostenbauten entdeckt. Die Anlage widerspricht dem alten Bild einer ausschließlich mobilen Jäger- und Sammlergesellschaft.
Kunst, Kult und Weltbild
Dōgu
Die berühmten Tonfiguren zeigen Menschen oder stark stilisierte Wesen. Ihre genaue Funktion ist ungeklärt; wahrscheinlich spielten Fruchtbarkeit, Heilung, Schutz oder Ahnenvorstellungen eine Rolle.
Keramik
Jōmon-Gefäße gehören zu den ältesten Keramiktraditionen der Welt. In späteren Phasen entstanden teils spektakuläre, flammenartig verzierte Gefäße.
Bestattungen
Gräber, Steinkreise und besondere Deponierungen deuten auf komplexe Rituale und zunehmend differenzierte Gemeinschaften hin.
Kontakte und Übergang zur Yayoi-Zeit
Die Jōmon-Welt war nicht isoliert. Über Hokkaidō, Kyūshū und andere Küstenregionen bestanden Kontakte zu benachbarten Gebieten Nordostasiens und der koreanischen Halbinsel. Im Westen Japans kamen schließlich neue Formen von Landwirtschaft, Metallverarbeitung und sozialer Organisation hinzu. Der Übergang verlief regional sehr unterschiedlich: Während sich in Nord-Kyūshū bereits früh Nassreisanbau und neue Siedlungsformen etablierten, hielten sich Jōmon-Traditionen im Norden deutlich länger.
Historische Bedeutung
Die Jōmon-Zeit war keine bloße Vorstufe späterer Epochen. Sie entwickelte eigenständige Lebensformen, Fernkontakte, Rituale und Kunsttraditionen. Archäologische und genetische Forschungen zeigen zudem, dass Jōmon-Bevölkerungen einen wichtigen Anteil an der späteren Bevölkerung des Archipels hatten.