Japan – Geschichte Edo
Edo-Zeit – Tokugawa, Frieden und eine neue Gesellschaft
Mit Tokugawa Ieyasus Sieg bei Sekigahara und seiner Ernennung zum Shōgun begann eine mehr als 250 Jahre währende politische Ordnung. Das Machtzentrum lag nun in Edo, dem heutigen Tokyo. Die Tokugawa verhinderten große Bürgerkriege, kontrollierten die Daimyō eng und schufen ein System, in dem regionale Fürstentümer und die zentrale Shōgunatsregierung nebeneinander bestanden. Gleichzeitig wuchsen Städte, Handel, Bildung und eine eigenständige städtische Kultur.
Machtzentrum
Edo und das Tokugawa-Bakufu.
Politische Ordnung
Bakuhan-System und sankin-kōtai zur Kontrolle der Daimyō.
Prägende Häuser
Tokugawa, Maeda, Shimazu, Mōri, Date und Ii.
Schlüsseldaten
- 1600 – Sekigahara: Tokugawa Ieyasu besiegt die Westarmee.
- 1603: Ieyasu wird Shōgun.
- 1614–1615: Belagerungen von Osaka und Ende der Toyotomi als Machtfaktor.
- 1635: das sankin-kōtai wird verbindlich geregelt.
- 1637–1638: Shimabara-Aufstand.
- 1657: Großer Meireki-Brand zerstört weite Teile Edos.
- 1701–1703: Ereignisse um die 47 Rōnin.
- 1853: Commodore Perry erscheint in der Bucht von Edo.
- 1854: Vertrag von Kanagawa.
- 1860: Ermordung Ii Naosukes am Sakuradamon.
- 1866: Satsuma-Chōshū-Allianz.
- 1867: Tokugawa Yoshinobu gibt die Regierungsgewalt zurück.
Das Tokugawa-System
Das Edo-Japan wird häufig als Bakuhan-System beschrieben: Das Bakufu der Tokugawa kontrollierte zentrale politische Fragen, während mehr als 250 Fürstentümer (han) von Daimyō regiert wurden. Die Fürsten waren nicht gleichgestellt. Shinpan waren mit den Tokugawa verwandt, fudai-Daimyō alte Verbündete und tozama-Daimyō jene Herren, die sich Ieyasu erst später unterworfen hatten.
Mit dem sankin-kōtai mussten Daimyō regelmäßig zwischen ihrem Fürstentum und Edo wechseln. Ihre Familien lebten meist dauerhaft in Edo. Die kostspieligen Reisen und Residenzen banden Ressourcen und erschwerten den Aufbau eigenständiger militärischer Macht.
Die wichtigsten Tokugawa-Shōgune
Ieyasu, Hidetada, Iemitsu
Ieyasu begründete die Ordnung, Hidetada festigte sie und Iemitsu verschärfte die Kontrolle über Daimyō und Auslandskontakte.
Tsunayoshi & Yoshimune
Tsunayoshi ist besonders durch seine Tierschutzedikte bekannt. Yoshimune reformierte Verwaltung und Finanzen und lockerte 1720 Beschränkungen für nichtchristliche westliche Bücher.
Yoshinobu
Tokugawa Yoshinobu, der 15. und letzte Shōgun, versuchte das Shōgunat zu modernisieren und gab 1867 die formelle Regierungsgewalt zurück.
Osaka, Shimabara und kontrollierte Außenkontakte
In den Winter- und Sommerfeldzügen von 1614/15 belagerten die Tokugawa Osaka. Mit dem Tod Toyotomi Hideyoris und seiner Mutter Yodo-dono war die letzte ernsthafte dynastische Konkurrenz beseitigt.
Der Shimabara-Aufstand 1637/38 entstand aus hoher Steuerbelastung, lokaler Unterdrückung und religiösen Spannungen. Nach seiner blutigen Niederschlagung verschärfte das Shōgunat die Verfolgung des Christentums und die Kontrolle der Auslandskontakte.
Die Bezeichnung sakoku – „abgeschlossenes Land“ – bedeutet jedoch keine vollständige Isolation. Niederländer und Chinesen handelten in Nagasaki, Korea über Tsushima, das Ryūkyū-Königreich über Satsuma und Kontakte zu den Ainu liefen über Matsumae.
Städte, Samurai und Bürgerkultur
Aus den Kriegern der Sengoku-Zeit wurden in langen Friedenszeiten zunehmend Beamte, Verwalter und Gelehrte. Gleichzeitig wuchsen Edo, Osaka und Kyoto zu großen urbanen Zentren. Kaufleute und Handwerker – die chōnin – gewannen wirtschaftlich an Bedeutung.
Aus dieser städtischen Welt entstanden Kabuki, Bunraku, Ukiyo-e und populäre Literatur. Matsuo Bashō prägte die Haiku-Dichtung; Hokusai und Hiroshige machten die Holzschnittkunst international berühmt. Auch das Studium westlicher Wissenschaften, rangaku, gewann an Bedeutung.
Die 47 Rōnin und das Ende des Shōgunats
Die Geschichte der 47 Rōnin wurde später zum Sinnbild samuraiischer Loyalität, obwohl die historische Wirklichkeit komplexer war als die populäre Legende.
Mit Perrys Ankunft 1853 geriet die Tokugawa-Regierung unter starken außenpolitischen Druck. Ungleiche Verträge schwächten ihre Legitimität. Die Parole sonnō jōi verband kaiserliche Loyalität mit Widerstand gegen das Bakufu. Nach der Ermordung Ii Naosukes 1860, dem Bündnis von Satsuma und Chōshū und der Rückgabe der Regierungsgewalt durch Yoshinobu mündete die Krise 1868 in den Boshin-Krieg.
Mehr als „250 Jahre Isolation“
Die Edo-Zeit war eine Phase politischer Stabilität, aber keineswegs gesellschaftlichen Stillstands. Bevölkerung, Städte, Märkte, Bildung und Wissenschaft entwickelten sich stark. Gerade diese inneren Veränderungen halfen Japan später, die Modernisierung der Meiji-Zeit ungewöhnlich schnell umzusetzen.