Japan – Etikette
Etikette in Japan – die wichtigsten Regeln im Alltag
Japanische Umgangsformen wirken auf den ersten Blick oft komplexer, als sie im Alltag tatsächlich sind. Für Reisende reichen meist Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und einige wenige Grundregeln. Besonders wichtig sind die Trennung von draußen und drinnen, der respektvolle Umgang mit gemeinsam genutzten Räumen, einige Regeln beim Essen sowie der richtige Ablauf im Bad oder Onsen.
Allgemeines Verhalten
Rücksicht im öffentlichen Raum
In Zügen, Bussen und anderen öffentlichen Räumen wird meist eher leise gesprochen. Telefonate in Bahn und U-Bahn sind unüblich; das Smartphone wird häufig lautlos benutzt. Auf Rolltreppen, Bahnsteigen und in Warteschlangen orientiert man sich an den örtlichen Markierungen und stellt sich geordnet an.
Verbeugung
Die Verbeugung (ojigi) kann Begrüßung, Dank, Entschuldigung oder Abschied ausdrücken. Als ausländischer Gast genügt eine leichte, natürliche Verbeugung. Im internationalen oder geschäftlichen Umfeld ist auch ein Händedruck üblich.
Grundregel: Beobachten, wie sich die Menschen in der jeweiligen Situation verhalten, und sich daran orientieren. Kleine Fehler werden Reisenden in der Regel problemlos nachgesehen.
Zu Hause und in traditionellen Unterkünften
Ein Besuch in einem japanischen Zuhause ist meist unkompliziert. Entscheidend ist vor allem die klare Trennung zwischen dem Bereich draußen und dem sauberen Innenbereich.
Schuhe und Genkan
Im Eingangsbereich, dem genkan, werden Straßenschuhe ausgezogen. Häufig stehen Hausschuhe bereit. Die eigenen Schuhe stellt man ordentlich mit den Spitzen in Richtung Ausgang zurück.

Tatami und Toilettenschuhe
Auf Tatami trägt man weder Straßenschuhe noch Hausschuhe, sondern Socken oder geht barfuß. Für Toiletten gibt es in vielen Wohnungen und Ryokan eigene Toilettenschuhe. Diese werden beim Verlassen unbedingt wieder ausgezogen.

Sitzen, Türen und Privatsphäre
Die formelle Sitzhaltung auf Tatami heißt seiza, doch von Gästen wird heute selten erwartet, lange in dieser Position zu sitzen. Eine bequemere Haltung ist in informeller Umgebung in Ordnung. Fußsohlen sollten nicht demonstrativ auf andere Personen zeigen. Schiebetüren wie fusuma und shōji werden ruhig geöffnet und geschlossen; außerdem sollte man die in traditionellen Häusern geringere akustische Privatsphäre berücksichtigen.
Zu Tisch
Japanische Tischsitten lassen sich auf wenige wichtige Regeln reduzieren. Vor dem Essen sagt man häufig いただきます – itadakimasu, nach dem Essen ごちそうさまでした – gochisōsama deshita. Beim gemeinsamen Anstoßen wartet man üblicherweise, bis alle ein Getränk haben, und sagt kanpai.
Die zwei wichtigsten Stäbchen-Tabus
- Stäbchen niemals senkrecht in eine Reisschale stecken.
- Speisen niemals direkt von Stäbchen zu Stäbchen weiterreichen.
Beide Handlungen erinnern an buddhistische Bestattungsrituale. Außerdem sollte man mit Stäbchen nicht auf Personen zeigen, Schüsseln damit heranziehen oder sie als Spieße verwenden.
Schüsseln, Suppe und Nudeln
Kleine Reis- und Suppenschalen dürfen mit einer Hand angehoben werden. Miso-Suppe wird direkt aus der Schale getrunken. Bei Ramen, Soba oder Udon ist hörbares Schlürfen akzeptiert, aber keineswegs Pflicht.
Das feuchte oshibori ist vor allem zum Reinigen der Hände gedacht. Trinkgeld ist in Japan normalerweise nicht erforderlich.
Für Reisende reicht: die beiden Stäbchen-Tabus kennen, kurz warten bis alle versorgt sind und sich an den anderen Gästen orientieren.
Im Bad, Sentō und Onsen
Der wichtigste Unterschied zu europäischen Badegewohnheiten: Die Badewanne beziehungsweise das Onsen-Becken dient dem Entspannen, nicht dem Waschen. Gereinigt wird sich vorher gründlich außerhalb des Beckens.
1. Waschen
Vor dem Bad gründlich duschen und einseifen. Seife und Shampoo vollständig abspülen.
2. Baden
Erst danach in das heiße Wasser steigen. Im Becken wird nicht gewaschen, geschwommen oder laut geplanscht.
3. Handtuch und Haare
Das kleine Handtuch gehört nicht ins Badewasser. Langes Haar wird hochgebunden, sodass es das Wasser nicht berührt.

Onsen und Sentō
In klassischen öffentlichen Bädern wird ohne Badebekleidung gebadet; Männer- und Frauenbereiche sind meist getrennt. Tätowierungsregeln unterscheiden sich je nach Einrichtung: Manche Bäder untersagen Tattoos, andere erlauben kleine Tattoos mit Abdeckung oder sind ausdrücklich tattoo-freundlich. Deshalb sollte man die Hausordnung vorab prüfen.
Toiletten
Moderne japanische Toiletten sind häufig mit Washlet, beheiztem Sitz und Duschfunktion ausgestattet. In traditionellen Unterkünften stehen vor der Toilette oft spezielle Toilettenschuhe. Das klassische Missgeschick besteht darin, mit diesen Schuhen wieder in den Wohnbereich zu gehen.
Merksatz fürs Bad: Erst sauber werden, dann baden – und Handtuch sowie Haare aus dem Becken halten.