Tōdai-ji – Nara

Der Tōdai-ji gehört zu den bedeutendsten buddhistischen Tempelanlagen Japans und ist eines der Wahrzeichen von Nara. Die Anlage liegt am östlichen Rand des Nara-Parks und ist vor allem für den Großen Buddha im Daibutsuden bekannt.

Geschichte

Der Tempel entstand im 8. Jahrhundert während der Nara-Zeit. Kaiser Shōmu ließ den Tōdai-ji als Zentrum eines landesweiten Netzes staatlich geförderter buddhistischer Tempel ausbauen. Die Weihe des Großen Buddha im Jahr 752 war ein politisch und religiös bedeutendes Ereignis.

Die Anlage wurde mehrfach durch Brände und Kriege beschädigt und wiederaufgebaut. Die heutige Haupthalle stammt überwiegend aus der Edo-Zeit, vermittelt aber weiterhin einen Eindruck von den enormen Dimensionen der historischen Anlage.

Sehenswürdigkeiten

Im Daibutsuden steht die monumentale Bronzestatue des Vairocana-Buddha. Zum Tempelbezirk gehören außerdem das imposante Nandaimon-Tor, Nigatsu-dō mit seinem Blick über Nara sowie weitere Hallen und historische Wege am Hang des Wakakusayama.

Kaiser Shōmu und der Staatsbuddhismus

Für Kaiser Shōmu gehörten buddhistische Frömmigkeit und die Sicherung des Reiches zusammen. Sein Erlass von 741 sah Provinztempel und Nonnenklöster im ganzen Land vor; Tōdai-ji erhielt darin eine zentrale Stellung. Der Große Buddha verkörperte damit auch die Hoffnung, das Land durch buddhistische Lehre und Rituale zu schützen. Die Augenöffnungszeremonie von 752 machte Nara zum Schauplatz einer religiösen Feier von überregionaler Bedeutung. „Staatsbuddhismus“ beschreibt hier die enge Verbindung von Herrschaft und Religion, nicht eine von allen Menschen einheitlich ausgeübte Glaubenspraxis. Zur Tempelgeschichte des Tōdai-ji.

Daibutsuden: monumentaler Holzbau und Wiederaufbau

Die heutige Halle wurde 1709 eingeweiht, nachdem ihre Vorgänger durch Kriege und Brände verloren gegangen waren. Trotz ihrer gewaltigen Erscheinung ist sie in Ost-West-Richtung deutlich schmaler als die früheren Bauten: Nach Angaben des Tempels beträgt ihre Breite nur etwa 60 Prozent des ursprünglichen Maßes. Die Baugeschichte erklärt, warum hier die religiöse Tradition der Nara-Zeit in einer großen Holzkonstruktion der Edo-Zeit weiterlebt. Zum Wiederaufbau in der Edo-Zeit.

Nandaimon, Patronage und die Kei-Schule

Das Große Südtor zeigt den von Chōgen eingeführten Daibutsu-Baustil mit Vorbildern aus dem China der Song-Zeit. Sein Tragwerk mit mächtigen, weit aufragenden Holzsäulen vermittelt die konstruktive Wucht dieser Architektur. Der Dachfirst wurde 1199 aufgerichtet; 1203 waren auch die beiden monumentalen Niō-Wächter vollendet. Nach der Zerstörung großer Teile des Tempels 1180 gewann Chōgen für den Wiederaufbau Unterstützung vom Hof und von Minamoto no Yoritomo. Hier wird die Patronage einer aufsteigenden Kriegerherrschaft konkret greifbar.

An den Wächterfiguren arbeiteten Unkei, Kaikei, Jōkaku und Unkeis Sohn Tankei. Ihre muskulösen Körper und bewegten Haltungen stehen für die kraftvolle, wirklichkeitsnahe Bildhauerei der Kamakura-Zeit. Die Bezeichnung Kei-Schule meint eine Werkstatt- und Künstlertradition; innerhalb dieser Tradition bestanden auch Familienbeziehungen, wie zwischen Unkei und Tankei. Tōdai-ji: Südtor und Wächterfiguren; Tokyo National Museum: Kei-Schule.

Besuch

Für Tōdai-ji sollte man mindestens 60 bis 90 Minuten einplanen. Die Anlage lässt sich sehr gut mit Nara-kōen, Kasuga Taisha und Kōfuku-ji kombinieren.