Japan – Geschichte Edo

Am 14.03.1603 wurde Tokugawa Ieyasu zum Shogun ernannt. Er blieb aber im Kanton-Gebiet, in seiner Residenz in Edo. Ieyasus Rücktritt 1605 änderte nichts an seiner politischen Aktivität und seinem Einfluß. Eine neue Zentralverwaltung aufzubauen, hatte schon Toyotomi Hideyoshi begonnen, aber erst Ieyasus Enkel Tokugawa Iemitsu (3. Shogun 1623-51) schloß diese Arbeiten ab: nächst dem Shogun standen zwei Ratsgremien (Roju und Wakadoshiyori), zeitweilig unter einem Präsidenten, die Ressortchefs und die Verwalter großer Städte und Festungen waren ihnen unterstellt. Mit einem ausgefeilten Kontrollsystem wurden sowohl die Daimyo als auch das einfache Volk, zu Gruppen von je 5 Familien zusammengefaßt, überwacht. Seit 1635 mußten sich die Landesherren jedes zweite Jahr in Edo aufhalten (sankin kotai), ihre Familien wohnten dort ständig.

Die christliche Mission (1549 durch den spanischen Jesuiten Franz Xaver begonnen) und die Auslandsbeziehungen entwickelten sich ziemlich ungestört. Das Christentum wurde anfangs als Gegengewicht gegen den Buddhismus geduldet, bei seinem Feldzug gegen Shimazu Yoshihisa 1587 hatte Toyotomi Hideyoshi jedoch die Ergebnisse des Wirkens christlicher Missionare gesehen, damals gab es auf Kyushu etwa 125000 Christen. Er verwies die Geistlichen des Landes, griff aber nicht streng durch. 1614 verbot Ieyasu die Konversion Adliger und wies die Missionare erneut aus. Zu seinen Beratern gehörten der portugisische Jesuit Joao Rodrigues Girao (1561-1634) und der Engländer Williams Adams (1564-1620). 1609 wurde den Niederländern die Eröffnung einer Faktorei in Hirado erlaubt, 1613 den Engländern.
Mit der Belagerung der Burg Osaka (1614-1615), dem Sitz von Toyotomi Hideyoshis Sohn Hideyori, beseitigte Ideyasu die letzten Rivalen. Am 4.6.1615 fiel die Burg, Hideyori beging Selbstmord, sein Sohn wurde 14 Tage später hingerichtet. Tokugawa Ieyasu starb ein Jahr später und sein Sohn und sein Enkel führten zwar seine Innenpolitik fort, außenpolitisch kam es jedoch zur Isolierung des Landes (sakoku). Der Christenaufstand von Shimabara 1637/38 löste eine Christenverfolgung aus und diente als Begründung für die Abschließung, Japaner durften das Land nicht mehr verlassen, die Portugiesen erhielten 1639 Einreiseverbot. Fortan durften nur Niederländer in Japan landen. 1641 wurde ihne die künstliche Insel Dejima im Hafen von Nagasaki als ausschließlicher Aufenthaltsort zugewiesen, wo sie bis 1854 grundsätzlich von den Einheimischen isoliert ihren Handel trieben. Von hier aus vermittelten sie europäisches Wissen nach Japan und Kenntnisse über Japan nach Europa.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, eine städtisch-bürgerliche Kultur entstand. Während der Genroku-Zeit (1688-1704), unter dem gelehrten Shogun Tsunayoshi (5. Shogun 1680-1709), erlebte das Land wissenschaftlich und künstlerisch eine neue Blüte, aber auch einen finanziellen Rückschlag. Die Münzverschlechterung führte zu Preissteigerungen, die vor allem die Landbevölkerung und die wenig begüterten Samurai betrafen. Arai Hakuseki (1657-1725), Berater der beiden folgenden Shogune, suchte erfolglos die Finanzen zu stabilisieren, u.a. durch die Beschränkung des Außenhandels. Auch Tokugawa Yoshimune (8. Shogun 1716-1745), ein tatkräftiger und aufgeschlossener Politiker, konnte wirtschaftlich keine nachhaltigen Verbesserungen erzielen. Nach 1751 setzte allmählich auf allen Gebieten ein Rückgang ein, nur kurz unterbrochen durch die Amtszeit von Matsudaira Sadanobu. Literatur, Wissenschaft und bildende Kunstbrachten wieder Meisterwerke hervor, aber nicht mit Nara/Kyoto sondern Edo als Zentrum.

Mizuno Tadakuni (1794-1851) konnte den wirtschaftlichen Rückgang zunächst aufhalten. Das Auftauchen fremder Schiffe verursachte allerdings Probleme. Wiederholt war es an der japanischen Küste zu Zusammenstößen mit Angehörigen fremder Staaten gekommen, bevor die Amerikaner 1846 erstmals in der Bucht von Edo erschienen und die Öffnung Japans verlangten. Aber erst Commodore Matthew Calbraith Perry (1794-1858), der bereits 1853 mit vier Kanonenbooten in der Bucht von Tokio erschienen war, erzwang bei seinem zweiten Besuch in dieser Bucht mit einem größeren Geschwader den Vertrag von Kanagawa (31.3.1854) zur Öffnung von zwei Häfen für Handel und Versorgung. Bald darauf wurden ähnliche Verträge mit anderen Staaten abgeschlossen (mit Preußen am 24.1.1861). Das Handelsabkommen mit den USA (1858) spitzt die Lage aber weiter zu und verursachte eine schwere innenpolitische Krise. Als der Tairo (höchstes Amt unter dem Shogun) Ii Naosuke (1815-1860) Tokugawa Yoshinobu bei der Neubesetzung der Shogunatsleitung überging, spitzte sich die Lage weiter zu. Den blutigen Auseinandersetzungen fiel auch dieser Tairo zum Opfer. Allmählich setzte sich eine Gruppe durch, die eine Neuordnung der innenpolitischen Verhältnisse unter dem wieder in seine alten Rechte eingesetzten Kaiser herbeiführen wollten. Auch die Aufrechterhaltung der ohnehin nur noch unvollkommenen Abschließung des Landes war inzwischen von vielen als undurchführbar erkannt worden. Die vereinigte militärische Macht der Lehen Satsuma, Choshu und Tosa bemächtigten sich 1867 der kaiserlichen Hauptstadt Kyoto und zwang den nun eingesetzten Tokugawa Yoshinobu (15. Shogun 1867/68) zur Rückgabe der Regierungsgewalt an den Kaiser Mutsuhito (Tenno 1867-1912). Am 3.1.1868 bildete der Kaiser eine provisorische Regierung und nahm das Rücktrittsgesuch des Shogun an.

Japan – Geschichte Azu-Momoyama

Nach der Unterwerfung einer letzten ihn bedrohenden Koalition unternahm Oda Nobunaga einen Westfeldzug, als er von einem seiner Heeresführer überfallen und getötet wurde. Sein Feldherr Toyotomi Hideyoshi (1536-1598) schloß jedoch die Unternehmungen erfolgreich ab. 1587 unterwarf er Shimazu Yoshihisa (1533-1611) in Satsuma, 1590 Date Masamune (1567-1636) sowie einen weiteren Landesherren im Osten Japans. Er beherrschte nun ganz Japan, das Kanton-Gebiet im Osten übertrug er Tokugawa Ieyasu (1543-1616). 1592 begann Hideyoshi mit der Landung bei Pursan in Korea einen Eroberungskrieg gegen China, mußte seine Truppen nach anfänglichen Erfolgen aber wieder an die Küste zurückziehen. Nach erfolglosen Friedensverhandlungen entsandte er 1597 wieder ein Heer nach Korea, dieses wurde aber im folgenden Jahr nach Hideyoshi’s Tod zurückberufen.
Toyotomi Hideyoshi führte Nabunagas Werk auch beim Ausbau der Verkehrswege und in der Landvermessung fort. Der Aufbau der feudalen Sozialordnung wurde 1588 eingeleitet mit der Trennung der Krieger vom Bauernstand in der “Schwertjagd” und der Entwaffnung der “Nichtkrieger” (Bauern, Mönche). 1591 erfolgte die Trennung von Handwerkern und Kaufleuten. Außerhalb der 4 Stände der Samurai, Bauern, Handwerker und Kaufleute (Shi, No, Ko, Sho) standen der Hofadel (Kuge) und die “Nicht-Menschen” (Hinin). Der Staats- und Kriegsdienst blieb den Samurai vorbehalten, sämtliche entehrenden Arbeiten waren den außerhalb der Sozialordnung angesiedelten Eta zugeteilt. Vor seinem Tode (18.9.1598) suchte Hideyoshi die Nachfolge für seinen Sohn zu sichern. In diesem Zusammenhang erregte Tokugawa Ieyasus Verhalten Mißtrauen und einige Daimyo verbündetetn sich gegen ihn. In der Schlacht bei Sekigahara am 21.10.1600 blieb er Sieger und war bald darauf uneingeschränkter Herr im Lande.

Japan – Geschichte Muromachi

Kaiser Godaigo entsandte 1335 zur Sicherung seiner Herrschaft Ashikaga Takauji nach Kamakura, musste aber gegen ihn, der abermals die Fronten wechselte und in Kamakura blieb, wieder Truppen schicken. Takauji konnte die Kaiserlichen schlagen und setzte Komyo als neuen Nordkaiser ein (2. Nordkaiser 1336-48). Godaigo floh nach Yoshino und gründete den “Südlichen Hof”. Damit begann die Zeit des Nördlichen und Südlichen Kaiserhofes (Namboku-cho jidai). Da Godaigo die Symbole der kaiserlichen Macht mit sich führte, galt seine Linie als die rechtmäßige. Ashikaga Takauji wurde am 24.9. 1338 zum Shogun ernannt und der Bezirk Muromachi in Kyoto wurde Sitz der Militäradministration. Der Südhof verlor immer mehr Anhänger und 1392 sah sich sein letzter Kaiser gezwungen den Nordkaiser Gokomatsu (6. Nordkaiser, 100. Tenno der Hauptlinie 1392-1412) anzuerkennen. Ashikaga Yoshimitsu förderte die Künste und war politisch geschickt im Umgang mit dem Kaiserhof, den mächtigen Vasallen und der Geistlichkeit und er konnte seine inneren Gegner ausschalten. Allerdings ging seine Staats- und Finanzverwaltung als eine der schlechtesten in die japanische Geschichte ein, die Finanzlage der Shogune verschlechterte sich. Unter Ashikaga Yoshimasa (Shogun 1443-74), der sich mehr seiner Sammelleidenschaft und der Teezeremonie zuwandte, brach der elfjährige Oninkrieg (1467-77) aus. Auch nach seinem Ende dauerten Fehden und Feldzüge an und Chaos herrschte für weitere 100 Jahre. Während dieser Zeit wurden viele territoriale und politische Konstellationen verändert, die Stellung der Shogune war geschwächt, es war die “Zeit der kämpfenden Länder”. 1542/43 landeten die Portugiesen als erste Europäer in Japan, aber trotz der damit bekannt gewordenen Feuerwaffen gab es keine Veränderungen. Der mächtigste Führer Ost-Japans Oda Nobunaga (1534-82) setzte sich mit einer Reihe gut geplanter Feldzüge durch und der letzte Ashikaga-Shogun musste fliehen. Damit hörte des Muromachi-Shogunat am 15.8.1573 auf zu bestehen.

Japan – Geschichte Kamakura

Noch während des Bürgerkrieges hatte Minamoto no Yorimoto begonnen, seine eigene Administration in Kamakura aufzubauen. Immer mehr Krieger stießen zu ihm. Nach dem Sieg 1185 setzte er in allen Provinzen Militärgouverneure ein und legte die Grundlagen für eine feudalistische Staatsorganisation. Mit seiner Ernennung zum Shogun 1192 begann formell das erste Shogunat. Der Kaiser in Kyoto war nun entmachtet und lediglich seine Unterschrift zur Bestallung der Shogune war erforderlich. Diese Art der gegenseitigen Abhängigkeit sicherte den Fortbestand des Kaiserhofes während der folgenden 700 Jahre Kriegerherrschaft.

Yorimoto starb 1199 und mit dem Tod seines Sohnes starb diese Linie aus. Nach Kamakura holte man nun Shogune aus der Fujiwara-Familie und vom Kaiserhof. Bemühungen des Hofes die Regierungsgewalt zurückzuerlangen, scheiterten. Am spektakulärsten war der Versuch von 1221. Zur Zeit Yasutokis stieg das Ansehen des Shogunats, ebenso unter seinem Urenkel Hojo Tokimune (Shikken 1268-84), der die Mongoleninvasion abwehrte. Kublai Khan fiel mit starken Verbänden 1274 und 1281 in Kyushu ein. Er scheiterte beide Male. Unter den Führern Kamakuras kam es schließlich durch die Misswirtschaft Hojo Takatokis (Shikken 1316-26) zu Zerwürfnissen. Das erleichterte es Kaiser Godaigo (96. Tenno 1318-39), zum Aufstand gegen die Hojos aufzurufen. Thronfolgestreitigkeiten hatten aber auch zum Bruch innerhalb des Kaiserhauses geführt und Kogon wurde zum Gegenkaiser eingesetzt (1. Nordkaiser 1331-33). Ashikaga Takauji (1305-58) wurde mit Hojo-Truppen gegen Godaigo gesandt, wechselte aber die Front und eroberte im Juni 1333 für Godaigo Kyoto. Kamakura fiel einen Monat spaeter. Das Kamakura-Shogunat brach zusammen und die führenden Hojo begingen Selbstmord.

Japan – Geschichte Heian

Diese Periode ist nach der 794 zur Hauptstadt ernannten Stadt benannt. Kaiserliche Residenz blieb die später Kyoto genannte Stadt bis 1869, als der Monarch nach Edo (Tokio) übersiedelte.
Kaiser Kammu hatte den Kaiserhof nach Heian-kyo verlegen lassen und er war einer der kraftvollsten Herrschergestalten Japans. Er reorganisierte das Heer, was wahrscheinlich auch durch die wiederholten Feldzüge gegen die Emishi (Anui) im Norden der Hauptinsel nötig geworden war. Die Kontrolle der Lokalverwaltungen war zu seiner Zeit sehr streng, auch schritt er gegen das Anwachsen des steuerfreien, privaten Großgrundbesitzes ein, besonders gegen den der Tempel. Aber schon unter seinen Söhnen erlitten Macht und Ansehen seines Thrones Einbußen, durch eine geschickte Intrige leitete 842 Fujiwara no Yoshifusa (804-872) die beschleunigte Entmachtung des Kaiserhauses ein. 866 wurde Fujiwara no Yoshifusa zum Regenten ernannt.

Kulturell wurde ein weiterer Höhepunkt erreicht. In der Literatur herrschte noch das Chinesisch vor, in dieser Sprache erschienen Anthologien: das Handbuch Shinsen shojiroku (814) und der offizielle Kommentar zum Taihocodex (833), ebenso die dritte der Reichsgeschichten (841/42). An der staatlichen Hochschule in Kyoto wurden die Führungskräfte ausgebildet, der Gründer der buddhistischen Shingon-Schule, Kukai (774-835) eröffnete 829 eine Privatschule. Saicho gründete die buddhistische Tendai-Schule mit dem Tempel Enryaku-ji auf dem Berg Hiei.

Sei dem 10. Jahrhundert gewannen die Krieger immer mehr an Einfluß. 967 war die Position der Fujiwara so weit gefestigt, daß sie bis 1868 eine der bedeutendsten Hoffamilien blieben. Herausragend unter ihnen war Fujiwara no Michinaga (966-1028). Er leitete die Regierungsgeschäfte von seiner privaten Hauskanzlei aus, die staatlichen Verwaltungsorgane verloren ihre Funktion weitgehend. Allerdings war Michinagas Regentschaft militärisch geschwächt, so daß er zum Schutz des Hofes und der Hauptstadt der Hilfe des Schwertadels bedurfte. Hierin änderte sich auch nichts unter den nächsten Regenten und Kaisern. 1029 schützten Einheiten der Familie Taira die Hauptstadt.

Kyoto wurde von über 3000 Mönchssoldaten vom Kloster auf dem Berg Hiei bedrängt, die großen Tempel unterhielten zu dieser Zeit Bewaffnete, ungeachtet des buddhistischen Gebotes nicht zu töten. Die Kaiser versuchten mehrfach sich von der Vormundschaft der Regenten zu befreien. Das gelang 1087, indem Kaiser Shirikawa (72. Tenno 1073-87) zurücktrat und sich als Exkaiser eine Hofhaltung mit eigenem Verwaltungsapparat aufbaute. Daraus entwickelte sich die Regierungsform der Exkaiser (bis in das 13. Jh. hinein), wodurch der Autoritätsabbau zwar fortgesetzt wurde, dem Hof aber einstweilen Reste der Macht blieben. Stets war die Unterstützung durch den vom Hofadel (Kuge) im Grunde genommen verachteten Schwertadel (Buke) notwendig. Der Hof verpflichtete zunächst die Familie Minamoto, indem er ihnen Privilegien in den Provinzen einräumte und Titel verlieh. In der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts erstarkten die Taira: Taira no Kiyomori (1118-1181) hatte sich im Dienst für den Exkaiser das Monopol für den Chinahandel gesichert und kontrollierte die Schifffahrt in der Inlandsee. Es kam bald zu komplizierten Frontbildungen in der Hauptstadt. Innerhalb des Kaiserhauses ergaben sich Gegensätze durch die Existenz mehrerer Exkaiser. Dadurch entstanden Zwistigkeiten auch unter den Fujiwara. Und zuguterletzt standen die Schwertadelsfamilien der Taira und der Minamoto natürlich in gegnerischen Lagern. Am 19.1.1160 putschten die Minamoto, sie setzten Kaiser und Exkaiser gefangen, konnten sich aber dann nicht behaupten. Taira no Kiyomori schlug die Minamoto und festigte seine Position. Er zog aber den Unbill vieler auf sich, und die Minamoto riefen wieder zum Aufstand gegen ihn auf. Der verbannte Minamoto no Yoritomo folgte diesem Aufruf und sammelte Truppen. Damit begann der Bürgerkrieg (Gempeikrieg), in dessen Folge die Taira die Vorherrschaft verloren. Das organisatorische Geschick und die taktische Begabung des Minamoto no Yoshitsune (Yoritomos Halbbruder) brachte die Taira in arge Bedrängnis und die Kämpfe endeten mit der Seeschlacht von Dannoura, mit einem großen Sieg der Minamoto am 25.4.1185.

Japan – Geschichte Nara

Kaiserin Gemmei (43. Tenno 707-715) ordnete die Verlegung der Residenz nach Heijo-kyo (heutiges Nara) an. Diese nach chinesischem Vorbild errichtete Stadt wurde 710 die erste ständige Hauptstadt Japans. Auf Weisung der Kaiserin entstanden die ältesten erhaltenen Denkmäler der japanischen Literatur, an deren Schaffung Fujiwara no Fuhito entscheidend beteiligt war. Zu den Schriften dieser Zeit gehörten die Chronik (Kojiki, 712) und die Provinzbeschreibungen (Fudoki, 713). Hinzuzufügen sind eine Revision des Taihocodex (718) sowie die erste der offiziellen “Sechs Reichsgeschichten” (Rikkokushi), die Nihon-shoki. Steigender Wohlstand des höfischen Adels führte zur kulturellen Blüte: Kaiser Shomu (45. Tenno 724-749) errichtete den Tempel Todai-ji mit der großen Buddhastatue (geweiht 752).

Der Einfluss des buddhistischen Klerus auf das politische Geschehen war sehr stark geworden. Dies wurde deutlich am Emporkommen des Priesters Dokyo. Dies war wohl mitentscheidend dafür, dass Kaiser Kammu (50. Tenno 781-806) den Hof aus der Nähe des Geistlichkeit entfernen wollte und eine Verlegung seiner Residenz einleitete. 784 siedelte er nach Nagaoka über, aber schon 793 bereitete der Kaiser eine abermalige Verlegung vor: Beim Dorf Uda sollte die neue Hauptstadt Heian-kyo entstehen.

Japan – Geschichte Yamato

Durch Eroberungszüge wurden die japanischen Teilstaaten um 400 n.Chr. zum Staat Yamato vereinigt, in dem die zusammengefaßten Teilstaaten aber trotz des chinesischen Einflusses ihre alte soziale Struktur behielten, die Organisation des Staates als Verband einiger großer Familien. Zu dieser Zeit kam es auch zu Kämpfen mit dem König von Koguryoo, im Bündnis mit dem koreanischen Königreich Paekche. Japanische Herrscher kontrollierten einige Zeit das Gebiet Mimana im Süden der koreanischen Halbinsel.

Im 5. Jahrhundert hatte man den Gebrauch der chinesischen Schriftzeichen erlernt, die japanischen Chroniken wurden aber erst im 7. Jh. etwas zuverlässiger. Im 6. Jahrhundert kam der Buddhismus über Korea nach Japan. Der König des koreanischen Reiches Paekche sandte eine Buddhastatue und buddhistische Schriften. Da sich diese neue Religion im starken Gegensatz zur einheimischen Religion, dem Schintoismus, befand, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Folge die Befürworter des Buddhismus die politische Macht innehatten. Die Reformer um Soga no Umako hoben als 33. Tenno Suiko (593-628) auf den Thron, eine Nichte Umako’s, und beriefen den Kronprinzen Shotoku-Taishi zum Regenten. Letzterer förderte den Buddhismus, er gründete den Tempel Horyuji und gilt als Initiator vieler Reformen: die Regierung wurde umgebildet, Verwaltungseinrichtungen geschaffen, die chinesische Zeitrechnung eingeführt, Chroniken angelegt und der Gesandtenaustausch mit China intensiviert. Er gilt auch als der Autor der “Verfassung in 17 Artikeln” von 604. Nach seinem Tod 626 führten die Gegensätze zwischen seinen Nachkommen und dem Kreis um den nachfolgenden Kaiser Tenji (38. Tenno 661-672) zu einem Staatsstreich, 645 wurden die Angehörigen der Familie Soga erschlagen oder ausgeschalten und die Kaiserin Kogyoku (35. Tenno 642-645) zum Rücktritt veranlasst. Die folgenden Taikareformen führten die Umgestaltungen im Sinne Shotokus fort. Ziel war der Aufbau einer zentralistischen Verwaltung nach chinesischem Vorbild. Der Boden wurde Staatseigentum und konnte daher den Familien periodisch zur Bewirtschaftung zugewiesen werden. Das Recht wurde kodifiziert, das Staatswesen geordnet und vieles mehr. Die Gliederung des Adels erfuhr unter Kaiser Temmu (40. Tenno 672-686) einschneidende Veränderungen. Sein Enkel Mommu (42. Tenno 697-707) brachte diese Reformen in einem System zum Abschluß. Im Taihocodex (701), der in einer kommentierten Variante von 833 fast vollständig erhalten ist, wurden alle öffentlichen und viele private Bereiche geregelt. Maßgeblich an dieser Kodifizierung war auch Fujiwara no Fuhito (659-720) beteiligt, Sohn des Ahnherren der Familie, Fujiware no Kamatari. Die Spitze der Administration bildeten das Großkanzleramt und die acht Ministerien, das Reich war in 66 Provinzen mit 592 Distrikten gegliedert. Der nun gültige Stellenplan für Beamte und Angestellte umfaßte insgesamt mehr als 10.000 Positionen und galt in dieser Form de facto übrigens bis 1870.

Japan – Geschichte Yayoi

Duch eine größere Einwanderungsgruppe ist wahrscheinlich die Yayoi-Kultur auf die japanischen Inseln gekommen. (yayoi – nach der ersten Fundstätte bei Tokio) Diese Kultur kannte die Töpferscheibe und die Metalle und betrieb Nassfeldreisanbau. Eine ausgeprägte Bronzezeit fehlt zwar, aber es fanden sich in den zwei Zentren dieser Kultur, Nord-Kyushu und um Nara, die jeweils typischen Zeremonial-Geräte aus Bronze. In Nord-Kyushu waren dies Lanzenspitzen und um Nara Glocken. Es findet sich auch aus rotem Ton gebrannte Keramik, z.T. bemalt, poliert, mit Schnur- und Kammmuster versehen.

Nach dem japanischen Staatsgründungsmythos schuf Jimmu-tenno nach Eroberung des Landes Yamato um 660 v.Chr. das erste japanische Reich. Tatsächlich bringt man die Entstehung eines japanischen Staatswesens jedoch in Zusammenhang mit dem vermuteten Eindringen eines innerasiatischen Reitervolkes über Korea.

Japan – Geschichte Jomon

Das Territorium des heutigen Japan war wahrscheinlich schon vor etwa 150.000 bis 100.000 Jahren bewohnt (Peking- bzw. Java-Mensch). Der Beginn der ständigen Besiedlung der japanischen Inseln, der Verlauf der Einwanderung und die ethnische Herkunft des japanischen Volkes sind bisher noch unbekannt. Die zahlreichen Gegenstände der Kultur, die als Nachweis der damals dort lebenden Jäger, Sammler und Fischer gefunden wurden, lassen jedoch eine Gliederung der vorgeschichtlichen Epoche zu.

Neuere archäologische Funde bezeugen steinzeitliches Leben bereits für die Zeit vor 20000 Jahren, als es wohl noch eine Landverbindung zum Festland gab. Um 7500 v.Chr. bildete sich die nach dem Schnurmuster ihrer Keramik benannte Jomon-Kultur heraus (jo = Schnur; mon = Muster). Viehzucht, Ackerbau und Weberei gab es zu dieser Zeit noch nicht. Charakteristische Funde aus dieser Zeit sind auch die Muschelhaufen, entstanden durch den hauptsächlichen Verzehr der Schalentiere. Daneben sind auch die üppig verzierte Keramik und die frei geformten Gefäße typisch.

Japan – Geschichte Übersicht

Jomon-Kultur

10000-150 v.Chr.

 

Die Herkunft der Bewohner Japans liegt im Dunkeln, vielleicht kamen sie über Landbrücken, die einst Japan mit Sibirien und Korea verbanden, es wäre aber auch denkbar, dass sie seefahrende Polynesier waren. Zu dieser Zeit lebten die Jäger und Fischer, Wurzel- und Nusssammler in vertieften Erdhöhlen. Der Name dieser Periode ist abgeleitet von Tonscherbenfunden, die mit Schnüren verziert waren (jomon = Schnurzeichen)

660 v. Chr.

Nach der Sage wird die derzeitige Kaiser-Dynastie gegründet

Yayoi-Kultur

250 v.Chr.-300 n.Chr.

 

Aus dieser Zeit wurden Tongefäße in der Nähe von Tokio gefunden, aus China wird der bewässerte Reisanbau eingeführt, sowie die Verwendung von Eisen und Bronze.

Yamato-Epoche

300-710

um 300

Das Herrscherhaus in Yamato vereinigt Japan. Die Yamamotos behaupteten, direkt von der Sonnengöttin Amaterasu abzustammen und führten den Kaisertitel (tenno) ein. China beeinflußt das Land immer stärker.

um 538

Über Korea kommt aus China der Buddhismus nach Japan. Die Sippe der Soga übernimmt die Macht.

604

Prinz Shotoku gibt der Nation eine Verfassung mit 17 Artikeln und Richtlinien für einen zentralisierten Staat. Er machte den Buddhismus zur Staatsreligion.

654

Nakatomi Kamatari, Begründer der Fujiwara-Dynastie, verdrängt Soga

Nara-Epoche

710-794

 

Während vorangegangener Zeiten hatte man es sich zur Angewohnheit gemacht, den Kaiserhof mit jedem neuen Kaiser an einen anderen Ort zu verlegen. Im Jahre 710 wurde dieser Brauch beendet, der Kaiserhof ließ sich in Nara nieder.

Heian-Epoche

794-1192

794

Der Buddhismus war in Nara zu einer solch starken Macht geworden, daß Kaiser Kammu beschloß, Staat und Religion zu trennen. Er verlegte den Kaiserhof nach Heian-kyo, dem heutigen Kyoto, wo er bis 1886 bleiben sollte.

1156-59

Während man sich bei Hofe im Luxus erging, bildete sich im Lande eine neue Kraft, die der samurai, oder Krieger-Kaste, die ihre eigenen Streitkräfte aufbaute und bald zu den Waffen griff, um ihre Autonomie zu verteidigen. Die Tara lösten die korrupte Fujiwara-Familie ab. Kurze Zeit später begann der Krieg zwischen den Taira und den Minamoto.

1185

In der Schlacht von Dannoura werden die Taira von den Minamoto geschlagen.

Kamakura-Epoche

1192-1333

1192

Toritomo Minamoto wird erster Shogun (militärischer Führer) und errichtet sein Hauptquartier in Kamaura, während der Kaiser als offizieller Herrscher in Kyoto bleibt.

1274-1281

Die Mongolen versuchen unter Kublai Khan zweimal das Land zu erobern. Jedesmal aber wurden sie von einem exakt im richtigen Augenblick lostobenden Taifun vernichtet. Seither heißt dieser glückbringende Taifun kamikaze (göttlicher Wind).

1333

Sturz des Kamakura-Shogunats, da sie ihre Soldaten nicht mehr bezahlen konnten und somit die Unterstützung der Samurai verloren. .

Muromachi-Epoche

1334-1573

1339-1573

Shogunat der Ashikaga-Dynastie, die sich in der Herrscherfolge mit den Go-Daigo abwechseln wollten.

1467-1568

In Bürgerkriegen zerreiben sich die Daimyo-Familien (daimyo – Großfürsten).

1543

Ankunft der ersten Portugiesen. Sie wurden freundlich aufgenommen, da sie wußten, wie man Feuerwaffen herstellt.

1549

Jesuitenmissionar Franz Xaver landet in Kagoshima.

Azu-Momoyama-Epoche

1573-1600

1582-

Hideyoshi übernimmt die Macht und ihm gelingt der Prozeß der Vereinigung. 1590 hat er das Land unter seiner Gewalt. 1593 und 1598 versucht er China und Korea zu unterwerfen, scheitert aber.

1587

Die ersten christlichen Missionare kommen in das Land. Nachdem sich das Christentum sehr schnell ausbreitete, da viele im Handel mit den Europäern einen Vorteil sahen und somit zu dieser Religion überwechselten, wurde diese 1597 verboten.

1598

Tokugawa übernimmt die Macht und unter ihm erreicht die Christenverfolgung ihren Höhepunkt.

Edo-Epoche

1600-1867

1600

Tokugawa errichtet sein Hauptqartier in Edo (Tokyo) der Kaiser und sein Hof bleiben aber in Kyoto, ihre Macht war jedoch mehr nomineller Art. Die Tokugawa kontrollierten neben gewaltigen Ländereien die größeren Städte, Häfen und Minen. Den Rest des Landes stellten sie unter die Verwaltung autonomer Daimyo und ihrer Krieger, den Samurai. Um politische Sicherheit zu gewährleisten, mußten die Daimyo und Samurai jedes zweite Jahr eine offiziellen Besuch am Hofe Edo machen; ihre Frauen und Kinder waren praktisch Geiseln der Regierung und durften Edo nicht verlassen.

1635

Japan kapselt sich komplett gegen den Rest der Welt ab. Es war bei Todesstrafe verboten, ins Ausland zu reisen oder Handel zu betreiben.

In dieser Zeit der strengen Isolation gewährleistet das Regime ein hohes Maß an Sicherheit und Frieden, in dem die Künste gedeihen können: z.B. die haiku-Dichtung, das bunraku-Puppenspiel und das kabuki-Puppentheater. In dieser Epoche verfeinert sich die Qualität der Stoffe, Gefäße, Keramiken und Lackarbeiten.

1853

Commodore Matthew von der US Navy erscheint mit einem Schiffsverband und fordert die Öffnung Japans. Die inzwischen völlig korrupte Tokugawa-Regierung ist auch dem Druck aus dem eigenen Lande nicht gewachsen und muß nachgeben.

Meji-Restauration

1868-1912

1868-

Der tenno Meji stellt die kaiserliche Macht wieder her und Tokyo wird Hauptstadt. Der Shogun wird abgesetzt, womit auch die Daimyo und die samurai ihre Macht verlieren (wodurch es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt). Das Land wird in die heutigen Präfekturen eingeteilt und es werden Ministerien nach westlichem Vorbild gegründet. Im Zeichen des Wahlspruchs fukoku kyohei (reiches Land, starkes Militär) unterzog man der Wirtschaft einem Schnellkurs in Verwestlichung und Industrialisierung. Westliche Experten wurden ins Land geholt und japanische Studenten ins Ausland geschickt.

1894-1895

Chinesisch-Japanischer Krieg

1904-1905

Russisch-Japanischer Krieg (Nach diesen beiden erfolgreichen Kriegen war Japan davon überzeugt, mit den Westmächten gleichgezogen zu haben)

Heisei-Zeit

(Neuzeit)

1912-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1912-

Nach dem Tode Mejis wurde sein Sohn Yoshihito Kaiser. Beim Ausbruch des ersten Weltkrieges stellte sich Japan gegen Deutschland, griff aber nicht in die Kriegshandlungen ein, sondern ergriff die Gelegenheit, seine Wirtschaft mit Volldampf voranzutreiben.

1926

Kaiser Hirohito besteigt den Thron. Er unternimmt ausgedehnte Reisen in Europa, wobei er eine Vorliebe für den britischen Lebensstil entwickelt.

1930

Aufschwung des Nationalismus

1931

Die Invasion in der Mandschurei und die Einsetzung der Marionettenregierung Manchukuo wird durch den Machtzuwachs der Militärs möglich.

1937

Beginn der offenen Feindseligkeiten gegenüber China.

1941

Als diplomatische Versuche die USA zu einer neutralen Haltung zu verpflichten, scheiterten, katapultiert sich Japan mit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7.12. in das Kriegsgeschehen des zweiten Weltkrieges. Nach anfänglich schnellen Siegen und weiten Vorstößen erklärte der Kaiser im August 1945 nach der Kriegserklärung der Sowjetunion und den Atombombenabwürfen die Kapitulation.

1945-1952

Besetzung Japans durch die USA

50er Jahre-

Die Wirtschaft blühte wieder und das Wirtschaftswunder hatte praktisch jeden Industriezweig erfaßt. Die japanische Wirtschaft eroberte sich riesige Absatzmärkte im Ausland. Die politische Nachkriegslandschaft wird fast ausnahmslos von den Konservativen beherrscht, seit 1955 ist die Liberaldemokratische Partei in der Regierungsmehrheit. Die Regierung wird immer wieder von Bestechungsaffären und Korruption erschüttert.

 

Kaiser Hirohito hält sich bis zu seinem Tode 1989 im Hintergrund und widmet sich seinem Hobby, der Meeresbiologie.

1990

Kaiser Akihito folgt seinem Vater auf den Thron.

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